Okt 18
Sonntag Morgen. Kurz nach acht Uhr. Es klingelt an der Tür. Einmal. Noch einmal. Und zum dritten Mal, inzwischen etwas ungeduldiger. Kann eine Klingel ungeduldig klingen? An diesem Sonntag Morgen hat sie es geschafft. Was in mehrfacher Hinsicht echt unsympathisch wirkte. Erstens war ich noch in meiner Tiefschlafphase, die sich mit der Türklingel verträgt wie Superman mit Kryptonit: Sie schwächelt dramatisch. Zweitens finde ich jedes Geräusch an einem Sonntag Morgen vor frühestens zwei Uhr nachmittags sehr unsympathisch. Drittens war nicht irgendein Sonntag, sondern der erste Advent. Vorweihnachtliche morgendliche Ruhestörung!

Ich schmiss mir meinen Morgenmantel über, schnappte mir mein "WAS IST?!"-Gerät (ein schnuckelig in der Sonne blitzendes Katana) und stapfte verschlafen mordlustig zur Wohnungstür. Ich riss die Tür auf und erledigte mehrere Dinge gleichzeitig, obwohl ich mir derartige Multi-Tasking-Attacken in der tiefschlafphasa interrupta niemals zugetraut hätte: Ich blickte auf zwei genervte Polizeibeamte in jägerwaldpopelauswurfgrüner Uniform, warf das Katana ins Badezimmer, verschluckte meine Fluchtirade, biss mir auf die Zunge und fragte höflichstmöglich: "Ja, bitte?"

Während der eine Polizist die dilletantisch ausgeführten Renovierungsarbeiten im Treppenhaus bewunderte, konterte sein Kollege mit einer Gegenfrage: "Frau Brand?" Diese kapitale Fehleinschätzung könnte darin begründet gewesen sein, dass er desinteressiert auf sein Klemmbrett schaute. Ich war verunsichert. Ging ins Badezimmer, öffnete den Bademantel und schaute nach. Doch, biologisch gesehen eindeutig immer noch 'Herr Brand'. Gut. Ging auf Nummer Sicher, kramte meinen letzten Strafzettelbescheid aus der Dokumentenablage und überprüfte den Briefkopf. "Herrn Lennart Brand". Jup, auch bürokratisch immer noch männlich. Ging zurück zu den beiden Grünen vor meiner Tür.

"Nee, eher so Herr Brand."
Der Polizist schaute auf, guckte irritiert auf mich, auf das Türschild, auf sein Klemmbrett, auf mich und murmelte: "Na dann."
"Was ist denn?"
"Ist das Ihr Motorrad vor der Tür?"
"Ja."
"Mit dem amtlichen Kennzeichen kah ih Trennung zett achtzig?"
"Ja."
"Das, was auf dem Bürgersteig liegt?"
"WAS?!?"
"Frau Br... äh, Herr Brand, würden Sie sich bitte was anziehen und uns nach unten begleiten?"

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Geschrieben von Lenn

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Okt 4


Meine Oma war toll. Ich glaube, dass die meisten Omas toll sind, weil Omas (und manchmal auch Opas) wirklich nur für einen Zweck erfunden wurden: Um zu Verwöhnen und um die Enkel zu betüddeln. Eltern sollen erziehen, aber Großeltern dürfen verziehen. Was für ein Geschenk! Und obwohl meine Oma vor fast genau dreizehn Jahren gestorben ist, kann ich mich noch an unendlich viele schöne Dinge erinnern. Ich könnte zu jedem Stichwort stundenlang wilde Geschichten erzählen...

Tennis zum Beispiel. Ich weiß noch, wie sie tagelang Tennis gucken konnte, damals noch mit einem sehr jungen Boris Becker, und dass ich das nie verstanden habe. Oder Zigaretten. Sie hat geraucht wie ein Schlot, steckte sich manchmal mit einer Kippe direkt die nächste an, und wenn dann eine Nachbarin vorbei kam, musste ich in die Küche gehen um zu sehen, ob die Sonne noch scheint. Gut, das war nicht ganz so toll. Aber im Nachhinein muss ich trotzdem dabei schmunzeln. Und wenn ich bei ihr übernachten durfte, hab ich früh morgens in Häppchen geschnittene Stullen ans Bett gebracht bekommen. Das war toll.


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Geschrieben von Lenn

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